Aquarius
Die Pfahlbauten bei Unteruhldingen am Bodensee oder die Schilfinseln der Uros im Titicacasee zeugen davon: von der Jungsteinzeit bis heute versucht der Mensch, dem Wasser Lebensraum abzugewinnen. Venedig, Amsterdam oder Stockholm sind Beispiel diesen Strebens. Wird diese Idee konsequent weiter gedacht, so entstehen schwimmende Städte, die überdimensionalen Schiffen gleich, die Weltmeere befahren.
Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Projekte, die darauf abzielen, schwimmende Inseln zu bauen, die in internationalen Gewässern verankert sind. 1968 entwarf R. Buckminster Fuller Triton City, 1971 stellte der Pilkington Konzern das Projekt Sea City vor. Anlässlich der Weltausstellung 1975 ließ Kiyonori Kikutake die künstliche Insel Aquapolis erstellen. Der japanische Konzern NKK baut zur Zeit die 359 Meter lange, 71 m breite und 3 m tiefe Stahlplattform Megafloat als Baustein für einen schwimmenden Flughafen. Und noch viele weitere Projekte liegen in den Schubladen oder sind auf vielen Websites veröffentlicht.
Warum gibt es bis jetzt keine schwimmenden Inseln?
Doch alle diese Projekte haben einen entscheidenden Nachteil. Sie erfordern Investitionen in Milliardenhöhe. Dabei wären sie eine echte Chance für die Menschheit, neue Lebensräume und neue Nahrungs- und Energiequellen zu erschließen. Warum sollte auch ein Investor das Risiko mit einer schwimmenden Insel eingehen, wenn er sein Geld an der Börse viel leichter vermehren kann. Eine Analogie aus der Geschichte hilft weiter. Nehmen wir einmal New York. Peter Stuyvesant hat damals auch nicht New York so hingestellt, wie wir es heute kennen. Neu-Amsterdam war ein Dorf, Wallstreet die Mauer um diese Siedlung und der Broadway ein Weg, um das Vieh zur Weide zu treiben. Erst die wachstumsfördernden Rahmenbedingungen und der Lauf der Zeit schufen die Weltstadt New York.
Die Besiedlung des amerikanischen Westens verlief ähnlich. Die US-Regierung stellte Siedlungswilligen Land zur Verfügung und nannte diesen Vorgang Homesteading. Wayne Gramlich übertrug diese Idee auf die Besiedlung der Meere und nannte sie analog dazu Seasteading. Die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents erfolgte nicht durch eine Organisation, sondern durch die Zuteilung von Land an wagemutige Pioniere. Bald bildeten sich Dörfer und Städte, eine Infrastruktur entstand. Genauso kann sich auch die Entwicklung auf den Meeren vollziehen.
Die ersten Meeressiedler erhalten eine schwimmende Insel zur Verfügung gestellt. Die Kosten für diese Insel werden billiger sein, als vergleichbare Flächen an Land, vielleicht werden sie sogar umsonst abgegeben.
Was diese Siedler aus ihren Inseln machen, bleibt ihnen selbst überlassen. Einige werden Landwirtschaft betreiben, andere Fischzucht. Jemand wird sich auf Meerwasserentsalzung spezialisieren, ein anderer auf Proteingewinnung aus Algen. Es wird Handwerker, Händler und Künstler geben. Nach und nach entstehen Strukturen, die Siedler werden eine eigene Gemeinschaft mit eigenen Gesetzen bilden, das ozeanische Zeitalter beginnt.
Konstruktion
In „The Millennial Project“ beschreibt Marshall T. Savage wie Aquarius wachsen wird. Durch die elektrochemische Abscheidung von Mineralien auf einem Magnesiumgitter entstehen betonähnliche Bauteile. Die Rohstoffe liefert das Meer, die Energie die OTECs. Da dieses Verfahren noch zu teuer und unerprobt ist, hat die LUF(G) eine Alternative erarbeitet. Für einen Einsatz im Meer ist das ideale Baumaterial Beton. Beton korrodiert nicht, hat eine lange Lebensdauer, wird von UV-Strahlen nicht verändert, ist stabil und bewährt.
Wir haben Pontons aus massivem Beton untersucht. Es gibt bereits viele Beispiele für solche Pontons, die auf hoher See schwimmen. Wir haben uns gegen sie entschieden, weil sie im Fall einer Beschädigung sofort sinken würden. Eine künstliche Insel muss aus einem Material hergestellt werden, das leichter ist als Wasser. Das ideale Material ist Beton, der mit luftgefüllten Glaskügelchen versetzt ist. Die Glaskügelchen sorgen für Stabilität und Auftrieb. Außerdem sind sie wasserdicht, der Beton dient nur als Trägermaterial.
Die Insel besteht aus einer Hülle, die wie eine natürliche Insel geformt ist. Die Hülle wäre nur 10 cm dick und nach unten offen. Die Insel würde wegen der eingeschlossenen Luft schwimmen, wie eine Tasse in einem Spülbecken. Im Fall einer Beschädigung der Hülle würde die Insel wenige Meter tief sinken aber nicht untergehen, da ja das Baumaterial leichter ist als Wasser. Sobald der Schaden behoben ist, kann wieder Luft in den Hohlraum gepumpt werden und die ganze Insel würde sich wieder erheben. Das Material ist ziemlich billig - ca. 10 €/m² Landfläche.
Vom Meer ins All
Warum müssen wir aber zunächst das Meer besiedeln, bevor wir nach den Sternen greifen können?
Da sich Aquarius direkt am Äquator befinden wird, ist es ein idealer Startplatz für Raketen. Wir können durch die Inseln lernen, was im All wichtig sein wird. Selbstversorgung, Zusammenleben, Überleben in einer unzugänglichen Umgebung, den selbstverständlichen Gebrauch von Atemgeräten und Sicherheitsluken.
Spaceport
Rund um den geplanten Spaceport werden sich Firmen ansiedeln, die die benötigten Raketen bauen werden. Mit den Firmen wird Personal kommen, das auf Aquarius leben wird. Weltraumtouristen werden auf Aquarius ausgebildet werden. Außerdem wird Aquarius ein idealer Urlaubsort sein, mit klimatischen Verhältnissen wie auf den Malediven oder den Seychellen.
Das Aquarius-Projekt wird:
neue Landflächen zur Entlastung übervölkerter Gebiete schaffen.
proteinreiche Nahrungsmittel erzeugen durch die Zucht der Mikroalge Spirulina.
durch Verdunstung von Meerwasser sauberes Wasser produzieren.
unser Tor ins All sein, durch den äquatorialen Spaceport.
Der allerwichtigste Beitrag den Aquarius leisten wird, ist die Produktion von Biogas aus Algen. Mit unserem derzeitigen Projekt untersuchen wir die Realisierbarkeit dieser Idee.