The Millenial Project

Die Living Universe Foundation entstand aufgrund des Buchs „The Millennial Project" von Marshall T. Savage. Er schildert darin einen fantastischen Plan, um das Weltall in acht Schritten zu besiedeln:

  • Foundation Die Organisation, die an diesem Plan arbeitet
  • Aquarius Künstliche Inseln entlasten die Erde
  • Bifrost Transport von der Erde in den Orbit
  • Asgard Siedlungen im geostationären Orbit
  • Avallon Ökosphären auf dem Mond
  • Elysium Durch Terraforming wird der Mars zum lebenden Planeten
  • Solaria Rohstoffgewinnung im Sonnensystem
  • Galactia Besiedlung des interstellaren Raums

Das Buch von Marshall T. Savage

Wenn ein Buch Menschen dazu veranlasst, sich zu einer Vereinigung zusammenzuschließen, die zum Ziel hat, die Ideen des Buchs zu verwirklichen, dann muss es sich schon um ein besonderes Werk handeln. In der Tat, "The Millennial Project" ist ein gewaltiger Wurf. Marshall T. Savage schildert nichts weniger als die Besiedlung der Galaxis in acht einfachen Schritten. Das hört sich zunächst so an, als hätte er den Mund zu voll genommen. Jedoch beim näheren Hinsehen entwickelt sich ein durchaus logischer Plan:

Zunächst werden die Ressourcen der Ozeane durch den Bau künstlicher Inseln erschlossen, danach wird ein preiswerter Weg in den Weltraum eröffnet, Siedlungen in der Erdumlaufbahn, die Besiedlung des Monds und das Terraforming des Mars‘ schließen sich an, die Ressourcen des Sonnensystems werden verwertet und schließlich erfolgt der Aufbruch zu anderen Sternen. Das alles innerhalb von 1000 Jahren.

Natürlich sind gewisse Abstriche zu machen, nicht alles wird sich so verwirklichen lassen, wie Savage sich das vorstellt, aber das Grundgerüst ist genau das, was einem echten Raumfahrtenthusiasten vorschwebt. Doch nicht nur diese, sondern alle, die von der Dynamik des Lebens überzeugt sind, sollten sich mit Savages Ideen auseinandersetzen.

Nachstehend werden die Idee von Savage dargestellt. Dazu haben wir noch Alternativen aufgezeigt, die unter Umständen leichter realisierbar sind.

Foundation

Die Besiedlung der Ozeane und des Weltraums ist der beste Weg, unseren Planeten zu retten und das Überleben der Menschheit zu sichern. Der erste Schritt, die Gründung der Foundation, ist bereits getan. Es gibt sie bereits in mehreren Ländern der Erde. Die Energie und die Rohstoffe im Weltraum sind die Schlüssel zu einer Zivilisation, die jedem Einzelnen maximale Chancen gibt, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Die Living Universe Foundation arbeitet daran, diese Vision in die Tat umzusetzen, sie zu verbreiten und die Schlüsselpunkte dieser Vision zu erforschen.

Aquarius

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends werden die Menschheit und unser Planet mit einigen ernsten Problemen konfrontiert. Die Weltbevölkerung, die vor weniger als zwei Jahrhunderten noch unter einer Milliarde lag und gut unter zwei Milliarden zum Beginn des 20. Jahrhunderts, hat im Jahr 2000 die 6-Milliarden-Grenze überschritten und wird weiterhin steil klettern. Wir möchten nicht, dass Hunger, Krieg oder Seuchen dieses Problem "lösen". Aber es scheint, dass Lebensraum, Energie, Nahrung und ausreichender Wohlstand, um eine bequeme und ökologisch gesunde Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten, allmählich knapp werden.

Wie betrachtet die Living Universe Foundation diese Probleme? Gibt es Lösungen? Wir glauben es. Und wir glauben, dass das erste Ziel der Menschheit zum Erreichen der Sterne sein muss, unseren Heimatplaneten in ein ausgeglichenes Gleichgewicht zu bringen. Hochwertiger Lebensraum für Arbeit und Spiel, für Privatleben und soziale Aktivitäten und für die vielen anderen Dinge, die das Leben voll und reich machen, kann in zwei Stufen geschaffen werden. Die erste Stufe ist die Besiedlung der Ozeane mit schwimmenden Städten. Es gibt genügend Raum für Tausende solcher Inseln, ohne die gewaltigen Meere zu stören. Die Inseln werden Gärten und Wälder, Wohnungen und Arbeitsstätten, Berge und natürlich Strände haben. Und auf jeder Insel werden Hunderttausende von Menschen leben können.

Aber die Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Lebensraum für ein paar Milliarden Menschen ist nur eine Zwischenlösung. Das Jahrtausendprojekt hat eine zweite Phase, nämlich die Besiedlung von Mond und Mars. Wir werden Städte auf diesen noch fremden Welten bauen (gewissermaßen basierend auf dem, was wir bei den Städten auf den Meeren gelernt haben) und werden riesengroße Raumschiffe aussenden, um weit entfernte Planetensysteme zu erforschen und zu besiedeln.

Wie steht es um erneuerbare Energie, um die angestrebte hohe Lebensqualität für die beträchtliche und schnell wachsende Erdbevölkerung zu ermöglichen? Es hat sich herausgestellt, dass große Energiemengen sich in den Tiefen der Ozeane verbergen. Eine seltsame Eigenschaft des Wassers ist, dass es bei einer Temperatur, die einige Grade über dem Gefrierpunkt liegt, am dichtesten ist. Überall, wo der Ozean mehr als 800 m tief ist, ist die Meeresoberfläche viel wärmer als die Tiefe. Mehr als ein Fünftel der gesamten Meeresoberfläche eignet sich für die Energiegewinnung. Sobald die OTECs (Ocean Thermal Energy Converter) erbaut sind, wird die verfügbare Energie gewaltig sein - viel größer als die Energiemenge, die heute von der gesamten Menschheit benötigt wird. Diese Art der Energiegewinnung ist umweltfreundlich (sie kann sogar das Kohlendioxid in der Atmosphäre reduzieren und den Treibhauseffekt aufheben) und erneuerbar, denn ihre Quelle ist die Sonne.

Wie sieht es mit der Nahrungsversorgung für eine hungrige und expandierende menschliche Rasse aus? Auch diese wird sich als ein Teil des Jahrtausendprojekts sichern lassen. Die Tiefen der Ozeane enthalten nicht nur Energie, sondern auch wahre Reichtümer an gelösten, organischen Nährstoffen. Seit vielen Millionen Jahren sind die Ozeane voller Leben. Eine komplexe Nahrungskette hat sich entwickelt. Sie beginnt mit der Photosynthese des Phytoplanktons, große, diffuse Wolken von winzigen Organismen. Das Phytoplankton wird von vielen Organismen gefressen, so dass sich die Nährstoffe immer weiter an der Nahrungskette nach oben bewegen, bis zu den großen Aasfressern und Räubern. Jedoch sterben viele Meerestiere - besonders die großen und starken in der Nahrungskette -, ohne gefressen zu werden. Ihre Körper sinken zum Meeresgrund und bilden über die Jahre einen riesigen Nährstoffspeicher Wenn diese Nährstoffe an die Oberfläche gebracht werden, (als ein Teil des heraufgepumpten Kaltwassers für die OTECs) wird das Meeresleben explodieren und für Aquakultur genutzt werden. Aquakultur liefert viele Formen von essbaren Meerestieren (wie Austern, Muscheln, Krabben, Thunfische, Lachse, Forellen usw.), Düngemittel für Ackerpflanzen, Nährstoffe für Menschen und vieles andere.

Der Überfluss billiger und ökologisch erzeugter Energie (von den OTECs) ist der Schlüssel zum Aufbau einer Infrastruktur für Transport, Kommunikation, Hygiene, Ausbildung, Gesundheitspflege und die anderen Dinge, die Teil des modernen und zukünftigen Lebens sein werden. Inklusive des Transports der menschlichen Rasse ins All. Das entscheidende Ziel des Jahrtausendprojekts ist die Besiedlung der Galaxis!

Aquarius besteht aus einer zentralen, sechseckigen Plattform, die von insgesamt 9 Ringen, die sich wiederum aus sechseckigen Plattformen zusammensetzen, umgeben ist.

Die Zahl der Stockwerke wächst nach der Fibonacci-Reihe und bietet dadurch einen natürlichen Anblick.

Um diese Insel herum wird in einiger Entfernung ein Wellenbrecherring, wiederum aus den sechseckigen Plattformen errichtet. Innerhalb dieser künstlichen Lagune sind sowohl Wassersport als auch die Zucht von Meerestieren und Algen möglich. Der Wellenbrecherring selbst wird als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt und versorgt die Inselbewohner mit Obst und Gemüse.

OTEC
Insgesamt sieben OTEC-Plattformen bilden den Kern von Aquarius und erzeugen über 400 Megawatt nutzbare Energie. Ein OTEC produziert elektrischen Strom, indem es die Temperaturdifferenz zwischen dem warmen Oberflächenwasser und dem kalten Tiefwasser ausnutzt. Es funktioniert prinzipiell wie ein umgekehrter Kühlschrank, der elektrische Energie einsetzt, um eine Temperaturdifferenz zwischen warmer Außen- und kalter Innenluft zu erzeugen). Da die Sonne das Oberflächenwasser immer wieder aufs Neue aufheizt, ist diese Form der Energiegewinnung umweltfreundlich und unerschöpflich.

Vorteile der OTEC-Technologie:

Die Energie-Ressourcen für OTEC sind gewaltig.
Die Energie-Ressourcen für OTEC sind selbsterneuernd.
OTEC verschmutzt die Umwelt nicht, sondern reduziert den Kohlendioxidgehalt der Luft. Die Nährstoffe aus der Tiefe, zusammen mit Photosynthese, erzeugen Biomasse, die der Atmosphäre Kohlendioxid entzieht.
OTEC basiert auf bekannter Turbinen- und Kühlsystemtechnologie.
OTEC produziert zusätzlich große Mengen Trinkwasser, Meeresfrüchte und Fische. Außerdem liefert es Kühlwasser für Klimaanlagen und Agrikultur.

Nachteile der OTEC-Technologie:

Ein OTEC-Kraftwerk erfordert einen hohen Kapitaleinsatz (50 - 100 Millionen US$ für ein "kleines" 10-Megawatt-Kraftwerk).
OTEC wurde noch nicht im großen Maßstab über einen längeren Zeitraum hinweg erprobt.
OTECs können nur an abgelegenen Plätzen (tiefes tropisches Meer) errichtet werden. Energie und Produkte müssen zu den Märkten transportiert werden (der Transport von entsalztem Meerwasser wird über diese Distanzen unökonomisch).
OTEC ist ökologisch umstritten.

Aquarius wird nicht erbaut werden, sondern es wird wachsen. Wenn durch Meerwasser ein elektrischer Strom geleitet wir, scheiden sich Kalziumcarbonat und andere Mineralien an der Kathode (negativer Pol) ab, es entsteht Seament, ein sehr starkes, felsartiges Konstruktionsmaterial, aus dem Aquarius und die anderen Seekolonien erbaut werden.

Alternativen zu Aquarius

Viele Dinge, die Savage für den Schritt „Aquarius“ vorsieht, sind so nicht realisierbar. Wir haben deshalb ein eigenes Projekt initiiert, das Alternativen zu Savages Plan erarbeitet hat.

Bifrost

Raketen sind erstaunliche Maschinen, die große Mengen Energie verbrauchen, um eine kleine Masse in den Orbit zu befördern. Die Schwierigkeit hier ist, dass Raketen zusätzlich zur Nutzlast ihr eigenes Gewicht beschleunigen müssen. Wie wäre es, wenn wir eine Maschine bauen könnten, die fast ihren ganzen Treibstoff auf der Abschussrampe lassen würde, ohne gefährliche chemische oder radioaktive Prozesse.

Genau das schlägt Marshall T. Savage vor: die Bifrost Brücke, im Wesentlichen eine bodenstationierte Kanone, die Nutzlasten ins All schießt. Eine Reihe von Elektromagneten wird hintereinander geschaltet. Sobald die Nutzlast einen Magneten erreicht, wird sie von ihm angezogen und damit beschleunigt. Sie passiert diesen Magneten, dieser schaltet ab, der nächste Magnet wird eingeschaltet und beschleunigt die Nutzlast weiter. In einer Vakuumröhre kann so die Nutzlast auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden, prinzipiell sogar auf Fluchtgeschwindigkeit.

Die Röhre wird horizontal gebaut, erst gegen Ende wird sie nach oben gebogen, so dass das Röhrenende an einem hohen Berggipfel liegt und dadurch über einem großer Teil der Atmosphäre. Sobald die Nutzlast aus der Röhre rast, übernehmen Hochleitungslaser die weitere Beschleunigung. An der Nutzlast sind große Blöcke Eis befestigt, die Laserstrahlen treffen auf das Eis und bringen es zum Kochen. Dadurch entsteht ein Rückstoß und die Nutzlast wird weiter beschleunigt.

Alternativen zu Bifrost

Bifrost ist der Schlüssel zur Besiedelung der gesamten Galaxis. Gleichzeitig ist es auch der schwierigste Teil des großen Plans. Das Ziel muss sein, einen für jeden erschwinglichen Zugang ins All zu schaffen. Alternativen gibt es genügend, jede ist verlockend, aber bislang haben sich nur Raketen durchsetzen können und sich auch bewährt. Allerdings sind die Kosten immer noch viel zu hoch, selbst das Space Shuttle ist im Betrieb viel zu teuer. Wir haben für vier Alternativen die Durchführbarkeit getestet.


Asgard

Sobald wir durch Aquarius Zeit, Energie und Geld gewonnen haben und sobald wir durch Bifrost eine zuverlässige und wirtschaftliche Methode haben, um große Tonnagen in den Weltraum zu befördern, ist der nächste logische Schritt eine permanente menschliche Anwesenheit im Weltraum: Asgard.

Kolonien im Weltraum sind keine neue Idee. Selbst Jonathan Swifts Luftinsel Laputa war ein Weltraumhabitat, obwohl es im 17. Jahrhundert noch keine Aeronautik gab. Laputa wird als Gemeinschaft der Wissenschaftler und Techniker dargestellt, die sich von den Beschränkungen der Schwerkraft losgesagt haben.

Die Schwierigkeit mit den meisten Entwürfen von Weltraumhabitaten ist jedoch, dass ihre Designer darauf bestehen, jede Menge irdisches "Gepäck" mitzunehmen. Sie denken, dass Menschen Schwerkraft brauchen, um Knochen und Muskeln zu unterstützen, deshalb drehen sich die Habitate, um Schwerkraft zu simulieren. Sie denken, dass Menschen eine Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre brauchen, deshalb ist das Raumschiff ein starker, unter Druck gesetzter Behälter. Ähnliche Überlegungen verlangen ein massives Strahlenschutzschild, komplizierte Beleuchtungssysteme oder komplizierte Biosysteme. All diese Überlegungen führen zu massiven, kostspieligen Strukturen, in denen menschliche Aktivitäten auf die Innenseite eines Zylinders beschränkt sind. Diese Anstrengungen, um eine erdähnliche Umgebung zu schaffen, sind der "touristische Ansatz" zur Weltraumerschließung.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen Touristen und Reisenden. Touristen können weltweit reisen, aber wohin sie gehen, schleppen sie überflüssiges Gepäck mit. Sie beharren beispielsweise darauf, dass die Welt ihre Sprache spricht und ihren Bedürfnissen entsprechend organisiert ist. Reisende jedoch handeln so, wie wenn die Welt ihr Zuhause wäre. Sie passen ihre Bedürfnisse den örtlichen Bedingungen an. Es werden Reisende sein, nicht Touristen, die eine echte menschliche Weltraumbesiedlung in Angriff nehmen werden.

Anstelle von massiven Großbauten, die die Erde im Orbit nachbilden sollen, stellen die Designer von Asgard die Notwendigkeit von sich drehenden Zylindern in Frage. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen schnell an die Schwerelosigkeit anpassen. Es gibt zwar Langzeitprobleme mit der Schwerelosigkeit, aber die Forschung zeigt auch, dass diese Probleme gelöst werden können, ohne unsere Körper einer unbarmherzigen künstlichen Schwerkraft auszusetzen. Um die Muskelstärke und das Knochenwachstum in der Schwerelosigkeit zu gewährleisten, kann beispielsweise schmerzlose Elektrostimulation angewandt werden. So könnten die Weltraumsiedler in einer schwerelosen Umgebung leben, ohne dass sich ihr Körperzustand verschlechtert. Dadurch würden sie auch unabhängig von der inneren Oberfläche ihres Habitats werden und könnten dessen gesamtes Volumen nutzen.

Wie sieht es mit einer erdähnlichen Atmosphäre aus? Bei einer konstanten Temperatur ist die Löslichkeit eines Gases in einer Flüssigkeit direkt proportional zu seinem Partialdruck, das heißt zum Druck, den es haben würde, wenn es keine andere Gase gäbe. Ein Weltraumhabitat könnte deshalb eine bequem atembare Atmosphäre aus reinem Sauerstoff haben. Ist eine reine Sauerstoffatmosphäre nicht besonders gefährlich, wenn Feuer ausbricht? Nicht in der Schwerelosigkeit. Da es keine Konvektionsströme gibt, verbrennt Feuer nur den Sauerstoff in seiner nächsten Umgebung und verlöscht dann. Deshalb kann Asgard mit einem Fünftel des normalen Luftdruck auskommen und dadurch leichter und billiger gebaut werden.

Das Konstruktionsmaterial, ein zähes Silikonpolymer, wird, unter Druck gesetzt, die einfachste geometrische Form annehmen - eine Kugel. Wenn diese Kugeln verschachtelt und gestapelt werden, entsteht ein schönes Weltraumhabitat. Bisherige Entwürfe sahen Weltraumhabitate mit irdischen Landschaften, Häusern, Flüssen vor. "San Francisco in Space" hat viele Weltraumenthusiasten begeistert. Asgard wird jedoch ganz anderes aussehen.

Betrachten wir Asgard als eine Traube von sauerstoffgefüllten Luftblasen. Diese Traube wird, in einigem Abstand, mit einer durchsichtigen Goldfolie überzogen und der Zwischenraum mit Wasser gefüllt. Dieses lässt sichtbares Licht in die bewohnten Luftblasen von Asgard einströmen, hält aber gefährliche Weltraumstrahlung, kleine Meteore, UV- und Infrarotlicht zurück. Selbst große Meteore können nur in vereinzelten Luftblasen Schaden anrichten, die gegebenenfalls evakuiert werden könnten.

In Asgard werden wiederum Algen und hier besonders die Mikroalge Spirulina die Versorgung mit Proteinen, Vitaminen und Spurenelementen übernehmen. Sonnenlicht und Kohlendioxid (aus der menschlichen Atmung) sind im Überfluss vorhanden und mit etwas Einfallsreichtum kann Spirulina in viele Köstlichkeiten verwandelt werden.

Warum wollen wir diese große Anstrengung unternehmen, das Weltall zu besiedeln?. In Asgard wird unbegrenzte Sonnenenergie zur Verfügung stehen, die Welt kann, viel effektiver als mit kleinen Satelliten, mit Informationen versorgt werden, die Schwerelosigkeit kann genutzt werden, um neuartige Materialien zu produzieren usw. Schon diese wirtschaftlichen Gründe allein wären ausreichend, diese Anstrengung zu rechtfertigen. Aber Asgard wird noch viel mehr sein: eine geistige Herausforderung, eine neue Inspiration, ein weiterer Schritt auf unserem Weg zu einer raumfahrenden Gesellschaft.

Alternativen zu Asgard

Marshall T. Savage nimmt die Schwierigkeiten mit der Schwerelosigkeit doch etwas zu sehr auf die leichte Schulter. Denn buchstäblich jede einzelne biologische Funktion wird durch die Schwerkraft beeinflusst. Die jahrzehntelange Erfahrung zeigt deutlich, dass irdisches Leben nur schlecht mit der Schwerelosigkeit zurechtkommt:

Trotz intensiven Trainings bauen sich Muskeln ab
Das Immunsystem verringert seine Aktivitäten
Kreislaufprobleme
Knochengewebe baut sich ab (bis zu 1% / Monat), Osteoporose droht
Raumkrankheit, aufgrund widersprüchlicher Informationen der Sinnesorgane
Bei der Zellteilung wird der Aufbau der neuen Zellen gestört.

Deshalb wir wohl kein Weg an den gewaltigen, rotierenden Habitaten vorbeiführen, wenn ein dauerhafter Aufenthalt im All angestrebt wird. Die Ideen zu solchen künstlichen Welten reichen zurück bis in 19. Jahrhundert:

Die klassische Alternative zu Asgard sind immer noch die epochalen Entwürfe von Gerard O'Neill. In seinem 1977 erschienenen Buch "The High Frontier" (deutsch 1978 "Unsere Zukunft im Raum"), inzwischen schon ein Klassiker unter Weltraumenthusiasten, beschreibt er detailliert den Aufbau von gigantischen Wohnstätten mit erdähnlichen Bedingungen, mit echter Vegetation, mit Seen, Flüssen, Hügeln und Tälern.

In erster Linie geht es bei der Kolonisierung des Weltraums, wie O'Neill sie vorschlägt, um die Möglichkeit Energie langfristig billiger und ohne weitere Umweltbelastung zu gewinnen. Im Weltraum steht die ideale Energie in unbeschränkter Menge jederzeit zur Verfügung: die Sonnenenergie. Sie nutzbar zu machen, wird eine der Hauptaufgaben der Menschen in den Raumkolonien sein.

Eine weitere interessante Alternative

Die Raumstation besteht zunächst nur aus einem großen Kunststoffballon, der zusammengefaltet ins All gebracht wird. Dort wird er mit einer sehr geringen Menge Luft aufgeblasen und nimmt automatisch die perfekte Kugelform ein. Danach wird Aluminium im Inneren des Ballons verdampft, schlägt sich auf der Hülle nieder und nach einigen Wochen oder Monaten ist die abgeschiedene Aluminiumschicht so dick, das darauf ein Habitat errichtet werden kann. Eine Strahlenschutzhülle aus Wasser, wie von Marshall T. Savage beschrieben, umgibt diesen Ballon, rotiert aber nicht mit, so dass die bewegten Massen nicht zu groß werden.


Avallon

Beim großen Plan geht es nicht nur darum, dem Bevölkerungsüberschuss der Erde irgendwie unterzubringen, sondern darum, das Leben der Erde in seiner ganzen Vielfalt zu erhalten. Weltraumkolonien wie Asgard können ausgezeichnete Unterkünfte für Menschen sein, aber es ist schwer vorstellbar, dass sich Tiere an die Null-g-Umgebung anpassen. Um auch für die anderen irdischen Lebewesen eine Arche bereitzustellen, brauchen wir die feste Oberfläche eines Planeten oder - Mondes. Die Avallon Phase führt von der Gründung von Mondbergwerken bis zur Nutzung der Mondkrater als Städte und ökologische Reservate.

Um Mondhabiate zu schaffen, brauchen wir keine neue Technologie. Wir bringen über einem Mondkrater eine Kuppel an. Eine Wasserschicht sorgt auch hier für den Strahlenschutz. Große Spiegel im Mondorbit versorgen das Habitat auch während der zweiwöchigen Mondnacht mit Tageslicht.

Die niedrige Mondgravitation wird eine völlig neue Architektur und eine ganz andere Lebensweise ermöglichen. Gebäude können sechsmal höher gebaut werden, als auf der Erde. Bäume können so groß werden wie Mammutbäume. Der Kraterboden wird mit Seen und Wäldern gestaltet werden, während die ganze Infrastruktur unterirdisch versteckt ist. Die größten Krater werden durch Magnetschwebebahnen verbunden und so leicht erreichbar werden.

Alternativen zu Avallon

Unserer Meinung nach sollte der Mond – abgesehen von wenigen Forschungsstationen und einem Teleskop auf der Rückseite – nicht von Menschen besiedelt werden. Warum sollen wir erst mühselig aus dem Gravitationsloch der Erde aufsteigen und uns dann freiwillig in das Gravitationsloch des Monds begeben?


Elysium

Die nächste Stufe des großen Plans ist die Besiedlung des Mars'. Die elysischen Felder waren das idyllische Paradies der Griechen. Bereits jetzt tauchen in der Geographie des Mars' viele Geländepunkt auf, die nach antiken griechischen Namen benannt wurden: Olympus Mons, Hellas Planitia und auch die Elysium Ebene selbst.

Zuerst wird der Marsmond Phobos erschlossen. Er wird als interplanetarische Tankstelle dienen. Aus dem kohlenwasserstoffhaltigen Kern des Mondes wird Wasser extrahiert und dann in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Diese Elemente werden verflüssigt und dienen als Treibstoff für Raumschiffe, die sich auf die Marsoberfläche hinab begeben. Noch wichtiger: Raumschiffe, die vom Mars starten, brauche nur wenig Treibstof mitnehmen. Die Schiffe können auf Phobos landen und den gesamten Treibstoff aufnehmen, den sie brauchen, um das Erde-Mond-System zu erreichen.

Der Mars erwartet uns. Er ist eine lebende Welt in Bausatzform. Er hat die richtige Umlaufbahn, die richtigen Jahreszeiten, eine fertige Atmosphäre und sogar verborgene Ozeane. Sein Orbit - 228 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt- ist nur um die Hälfte weiter weg als der Erdorbit. Damit liegt Mars noch in der Ökosphäre der Sonne, das heißt in der Region in der flüssiges Wasser und somit Leben auf einer Planetenoberfläche existieren kann.

Ein lebender Planet braucht eine geneigte Achse, um einen jährliche Wechsel der Jahreszeiten zu ermöglichen. Jahreszeiten sind der Motor der Atmosphäre und der Ozeane und sind lebenswichtig für eine abwechslungsreiche Biosphäre. Es ist mehr als überraschend, dass die Achsneigung des Mars' fast genau der Achsneige der Erde entspricht: 24,5 Grad bei Mars und 23,5 Grad bei der Erde. Der größte "Zufall" ist die Länge des Marstags 24 Stunden und 37 Minuten. Ein Erdtag ist 1444 Minuten lang, ein Marstag 1477. Der Mars hat knapp die Hälfte des Erddurchmessers und ein Zehntel ihrer Masse, die Erde fliegt im Tandem mit einem Mond, der so groß ist, dass es sich tatsächlich um ein Doppelplaneten-System handelt. Die Marsmonde sind so klein, dass man kaum von Monden sprechen kann. Warum haben zwei so unterschiedliche Planeten solch ähnliche Tage?

Um die Marsoberfläche so umzuwandeln, dass sie irdische Leben beherbergen kann, müssen wir den Luftdruck auf 500 - 600 Millibar erhöhen. Es gibt genug Kohlendioxid in den Trockeneisgletschern der Marspole, um genau das zu tun. Dazu ist es nur notwendig, die Mars-Temperatur auf ungefähr 60° C unter Null zu erhöhen.

Wie können wir diesen Temperaturanstieg erreichen? Das beste Treibhausgas ist Wasserdampf. Wir könnten das ganze benötigte Wasser aus einem einzigen Kometen mit einem Radius von nur 21 Kilometern bekommen. Kometen bestehen bis zu 60% aus Wasser und die meisten haben einen Durchmesser von drei bis vier Kilometern. Durchschnittlich sechs kreuzen jährlich die Marsumlaufbahn. Alles was wir tun müssen, ist dafür zu sorgen, dass sich diese Kometen und die Marsoberfläche treffen.

Beim Einschlag werden die Kometenbruchstücke sofort verdampfen. Zum selben Zeitpunkt wird ein großer Teil des Permafrosts ebenfalls verdampfen , die Atmosphäre wird sich mit Wasserdampf anreichern und den Treibhauseffekt verstärken. Noch mehr Wasser und Kohlendioxid wird aus der Marsoberfläche entweichen, die Atmosphäre wird dichter, der Treibhauseffekt verstärkt sich und die Temperatur wird langsam ansteigen.

Sobald das Kohlendioxid aus den Polkappen und dem Permafrost entwichen ist, wird Mars eine dickere Atmosphäre als die Erde haben und eine milde Durchschnittstemperatur von 15° C. Menschen werden sich ohne Schutzanzüge bewegen können, allerdings noch mit Sauerstoffmasken, um ungehindert atmen zu können.

Geologische Beweise zeigen, dass in der Vergangenheit Wasser auf dem Mars freigesetzt wurde. Als sich der Mars abkühlte, gefror dieses Wasser und wurde im Permafrost gebunden. Sobald der Mars sich erwärmt, wird dieses Wasser schmelzen und Rinnen, Bassins und Krater füllen, so dass Flüsse, Seen und Meere entstehen.

In einer Wiederholung der frühen irdischen Prozesse werden Pflanzen die planetarische Oberfläche erobern. Schließlich werden diese Pflanzen Umweltbedingungen schaffen, die tierisches Leben ermöglichen. Progressives Wachstum wird dann dafür sorgen, dass sich die nackte rote Erde in eine grüne Decke hüllen wird.

Sobald wir die Metamorphose des Mars' beendet haben, wird das Universum ein anderes sein. Um die mächtige Sonne werden dann zwei exquisite grüne Edelsteine kreisen.

Alternativen zu Elysium

In ihrem faszinierenden Buch "Unternehmen Mars" schildern Robert Zubrin und Co-Autor Richard Wagner einen detaillierten Plan, den roten Planeten permanent zu besiedeln. Er sieht vor, die auf dem Mars vorhandenen Ressourcen nutzbar zu machen und so wenig wie möglich Material von der Erde zu verwenden. Dadurch reduzieren sich die Kosten für bemannte Marsmissionen beträchtlich. 

Auch hier gilt was wir schon über den Mond gesagt haben: eine menschliche Ansiedlung auf dem Mars stößt uns wieder in ein Gravitationsloch.

Solaria

Mit Asgard im Orbit haben wir den halben Weg in die Unendlichkeit geschafft. Wir haben Zugang zu praktisch unerschöpflichen Ressourcen. Rohstoffe vom Mond und den Asteroiden werden den Bau weiterer Asgards ermöglichen, der Mond und der Mars werden erschlossen. Im Schritt Solaria werden wir das gesamte Sonnensystem erforschen und entwickeln.

Die Menschheit braucht die Freiheit, sich im All entfalten zu können. Es gibt genügend Energie und Rohstoffe, um eine Bevölkerung von vielen Milliarden Menschen unterzubringen und zu versorgen.

Der russische Astrophysiker N. S. Kardaschew hat eine Klassifikation der Zivilisationen in drei Kategorien vorgeschlagen:

K1 - Zivilisationen, die den gesamten Energieausstoß eines Planeten nutzen
K2 - Zivilisationen, die den gesamten Energieausstoß eines Sterns nutzen
K3 - Zivilisationen, die den gesamten Energieausstoß einer Galaxis nutzen

Unsere eigene Zivilisation befindet sich auf dem Weg zum Kardaschew -Level 1, auf unserem Weg ins Sonnensystem werden wir erst stoppen, wenn wir Kardaschew-Level 2 erreicht haben.

Die Materialien und Technologien, mit denen wir Asgard erbaut haben, werden durch jahrzehntelange Erfahrung verbessert und verfeinert. Neue Habitate werden gebaut, die andere Himmelskörper umkreisen. Der Hauptunterschied zu Asgard werden die längeren Kommunikationszeiten und die Verringerung der eingestrahlten Sonnenenergie sein.

In der Endphase von Solaria können bis zu 5 Milliarden Milliarden Menschen im All sicher, bequem und mit höchstem Standard leben.

Im Gegensatz zu den Planeten, mit ihren tiefen Gravitationschächten, sind Asteroiden klein, zahlreich und leicht zu erschließen. Alle Asteroiden zusammen haben zwar nur ein Prozent der Masse des Monds, aber jeder von ihnen hält Unmengen wertvolles Material bereit. Material zum Bau von Habitaten, Raumschiffen, Werkzeugen und zur Ernährung von Lebewesen.

Mit den Materialvorräten im Asteroidengürtel könnte eine neue Bodenfläche geschaffen werden, die 3000-mal größer als die der Erde ist.

100 Milliarden Kometen kreisen ständig in einer Entfernung von wenigstens 19 Milliarden Kilometern um die Sonne. Sie bestehen größtenteils aus gefrorenen Gasen, mineralischen oder metallischen Kondensaten.

Von den neun Planeten unseres Sonnensystems kommen theoretisch noch Venus, Merkur, und Pluto für eine Besiedlung in Frage. Venus wird sehr schwierig zu besiedeln sein, aufgrund ihrer hohen Temperatur und der sehr dichten Atmosphäre. Die Umwandlung des atmosphärischen Kohlendioxids in Sauerstoff könnte durch Blaualgen erfolgen. Merkur ist zu nahe an der Sonne, Pluto zu weit weg. Die Oberfläche eines Planeten bietet keine besonderen Vorteile, eher den Nachteil des tiefen Gravitationsschachts. Besser geeignet zur Besiedlung und Rohstoffgewinnung sind die vielen Monde der Gasplaneten.

Die Monde der Planeten haben eine mehr als 10.000-mal größere Materiemenge als die Asteroiden. Über 60 Monde wurden entdeckt und benannt, die meisten davon umkreisen Saturn. Jeder von ihnen hält nahezu unerschöpfliche Ressourcen parat. Die Wasservorräte des Jupitermonds Kallisto sind beispielsweise dreimal so hoch wie die gesamten Wasservorräte der Erde.

Die Sonne strahlt unablässig eine Energiemenge von 360 Millionen Milliarden Milliarden Watt aus. Davon kommt nur ein Bruchteil auf der Erde an. Im All hingegen gibt es weder Atmosphäre noch Tag-und-Nacht-Zyklus. Sonnenkraftwerke nutzen diesen Vorteil zur Energiegewinnung.

Alternativen zu Solaria

Freeman Dyson hat einmal vorgeschlagen, dass eine fortgeschrittene Zivilisation den gesamten Energieausstoß ihres Heimatsterns nutzen könnte, indem sie ihn völlig mit Kollektoren umgibt. Er sah eine erdähnliche Umgebung voraus, die die Sonne umgibt wie eine Muschel.

Der Science Fiction Autor Larry Niven schildert die Idee der Ringwelt in mehreren Romanen, dem sogenannten Ringwelt Zyklus. Die gesamte Materie eines Sonnensystems wird dazu verwendet, in optimaler Entfernung von der Sonne einen Ring zu bauen, der sich um die Sonne dreht.

Galactia

Das Wort "Galactia" hat einen antiken Ursprung. Die Griechen benutzten ihr Wort für Milch, "galaktos", um den Bereich des Himmels zu bezeichnen, den wir heute Milchstraße nennen. Als die Astronomen erkannten, dass die Milchstraße unser eigener Sternhaufen ist, nannten sie sie Galaxis.

Marshall T. Savage prägte den Namen "Galactia" für die Phase des Großen Plans, die in tausend Jahren beginnen und wahrscheinlich eine Million Jahre andauern wird. Die Phase, in der wir Galaxien außerhalb unseres Sonnensystems erforschen und besiedeln werden.


Die nächsten Sterne

4,2 Lichtjahre - Proxima Centauri
4,3 Lichtjahre - Alpha Centauri
4,3 Lichtjahre - Alpha Centauri B
5,9 Lichtjahre - Pfeilstern (Barnards Stern)
7,6 Lichtjahre . Wolf 359
8,1 Lichtjahre - Lalande 21185
8,4 Lichtjahre - Luyten 726-8A
8,4 Lichtjahre - Luyten 726-8B

8,8 Lichtjahre - Sirius A
8,8 Lichtjahre - Sirius B
9,4 Lichtjahre - Ross 154

Reisezeiten
Innerhalb eines Radius' von 10 Lichtjahren befinden sich bereits mehr als 10 Sterne, innerhalb von 20 Lichtjahren sind es über 75 und bei 100 Lichtjahren mehr als 400.000.

Bei einer Geschwindigkeit von 2% der Lichtgeschwindigkeit wird eine Entfernung von 10 Lichtjahren innerhalb von 500 Jahren zurückgelegt. Nach 500 Jahren Reisezeit wäre ein neues Sonnensystem erreicht. Dort könnten wieder Planeten erforscht und nutzbar gemacht werden, so dass nach 500 Jahren Erschließungszeit eine neue Gruppe von Raumkolonisten ausgesandt werden kann, die ein weiteres Sternensystem besiedeln wird.

Bei einer Geschwindigkeit von 10 Lichtjahren pro Jahrtausend wäre so unsere ganze Galaxis innerhalb von 10 Millionen Jahren kolonisiert. Unvorstellbar für ein Menschenleben, aber nur ein Tausendstel des Alters unserer Galaxis.